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Aus der Werkstatt

Wie das Urmel geboren wurde

Schon vor der Währungsreform 1948 hatte ich "Der Löwe ist" los in Eschwege an der Werra geschrieben, ich erzählte in meiner Biografie davon. 1952 erschien das Buch mit Illustrationen der genialen Gulbransson Schülerin Franziska Bilek im Freiburger Klemm Verlag. Nachdem dessen Verleger, Kurt Seemann, gestorben war, übernahm der Hoch Verlag das Buch. 1964 wurde es mit der Augsburger Puppenkiste als erste farbige Sendung des Hessischen Rundfunks verfilmt. Damit begann meine mehrjährige Zusammenarbeit mit Walter Oehmichen und seinem großartigen Regisseur Manfred Jenning. Drei Löwe-Bücher, einen Don Blech und einen Lord Schmetterhemd hatte die Puppenkiste bereits umgesetzt, als ich im Herbst 1967 mit Manfred Jenning auf der Terrasse seines Augsburger Hauses zusammensaß und wir über weitere Pläne nachdachten. Es war zauberhaftes Wetter, die Rosen blühten - und wir zerbrachen uns die Köpfe. Die Hauptfigur sollte wieder ein Tier oder eine Fantasiefigur sein, weil diese sich als Marionetten reizvoller darstellen lassen als Menschen. Nun hatten wir aber bereits einen ganzen Zoo von Tieren "verbraten", wie man in der Fachsprache sagt, Löwe, Kamel, Hund, Rabe, Kakadu, Gibbon und so weiter und so fort. Ich war also zunächst ratlos. Wie gesagt, es war ein schöner Herbstabend, die Sonne lag schon schräg auf den westlichen Höhenzügen, als ich im Auto von Augsburg nach Ebenhausen heimfuhr und mir dabei auch überlegte, was ich für meinen Sohn Stefan und mich zum Abendessen kochen sollte. Nun war ich kürzlich Besitzer einer der ersten Tiefkühltruhen geworden. Das war damals noch eine Seltenheit. Stefan liebte Forellen - also dachte ich an Forellen aus der Tiefkühltruhe. Und dabei kam mir der Gedanke, wie es denn wäre, wenn ein Tier aus der Ur- und Eiszeit im Ei eingefroren die Jahrtausende überstanden hätte und heute ausgebrütet werden würde ... Ein Tier aus der Urzeit, das konnte nur ein kleiner Dinosaurier sein. Und wie konnte dieser heißen? Ur- wie Ur-zeit und -dazu eine Nachsilbe als Koseform. Also Ur-mel. So ähnlich wie Murmel. Da war das Urmel geboren. Danach erfand ich nach und nach die Geschichte, dachte mir all die anderen Figuren aus, Professor Habakuk Tibatong, die Schweinedame und Haushälterin Wutz, den Waisenknaben Tim Tintenklecks, Wawa, Ping Pinguin, Seele-Fant ... Alles andere war schriftstellerisches Handwerk, Als ich den fertigen Text in einer Kopie dem Leiter der Augsburger Puppenkiste und Manfred Jenning vorlegte, sagten sie sofort "Ja" - und setzten den Stoff auch beim Hessischen Rundfunk durch. Manfred Jenning schrieb das Drehbuch für die Fernsehaufnahmen, und als gebundenes Buch mit den großartigen Illustrationen erschien "Urmel aus dem Eis" zeitgleich beim Ensslin und Laiblin Verlag in Reutlingen. Dass die Verfilmung der Puppenkiste uns das Buch so große Erfolge werden würde, konnte ich natürlich damals nicht im Traum ahnen.

Alles Weitere ist Fernseh- und Buchgeschichte.

Mein Sohn Stefan erlebte die Verfilmung durch die Puppenkiste und das Erscheinen des Buches nicht, er verunglückte im April 1968 hundert Meter von meiner Wohnung entfernt bei der abendlichen Heimkehr mit dem Fahrrad tödlich. Mein größter Schmerz.

Seit 1965 ist Shaofang aus der alten Chinesischen Kaiserstadt Hanchou meine Frau.





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